vorwärts

evahoermann

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Welche Aufgabe hat eine Zeitung, die auf Beschluss eines Parteitages als „Zentralorgan“ gegründet wurde? Ist sie „Sprachrohr des Parteivorstandes“, Diskussionsforum oder kritischer Begleiter der allgemeinen Parteilinie? Das sind Fragen, die den „vorwärts“ seit seiner Gründung am 1. Oktober 1876 beschäftigen.

Die beiden Chefredakteure und Gründungsväter des „vorwärts“, Wilhelm Liebknecht und Wilhelm Hasenclever, mögen anderer Ansicht als der damalige Parteivorsitzende August Bebel gewesen sein, für den war die Sache auf jeden Fall klar: Die Parteizeitung ist Sprachrohr. Dass diese Frage noch 130 Jahre später aktuell sein wird, zeigt der Beitrag des SPD-Parteivorsitzenden Kurt Beck im Jahre 2006 anlässlich einer Sonderausgabe zum damaligen vorwärts-Jubiläum: „Auch Gegenmeinungen werden ihren Platz im „vorwärts“ haben“, heißt es da.

Publikationsverbot durch die Bismarckschen Sozialistengesetze

Konträre Ansichten zu vertreten war dem „vorwärts“ nie fremd. „Dissidentische Machenschaften“ wurden den Redakteuren immer wieder vorgeworfen – mit mäßigem Erfolg. Mehrmals versuchten die Herrschenden den „vorwärts“ mundtot zu machen, etwa im Kaiserreich durch die Bismarckschen Sozialistengesetze von 1878 bis 1890. Die Folge war ein Publikationsverbot, was jedoch nur kurz währte. Bereits 1879 wanderte der „vorwärts“ ins Exil nach Zürich aus. Von dort versorgte er unter dem Pseudonym „Sozialdemokrat“ seine Leserschaft mit aktuellen Informationen und sozialdemokratischen Leitideen.

Als die SPD im Ersten Weltkrieg in zwei Teile zerfiel, war auch die Redaktion des „vorwärts“ gespalten. Der Riss, der sich nach dem 1. August 1914 in der SPD auftat und mit den Monaten größer und größer wurde, verlief mitten durch die Redaktion des „vorwärts“. Deutschland hatte Russland den Krieg erklärt. Wie sollte die deutsche Sozialdemokratie sich nun verhalten?

Geistiges Bindeglied in Zeiten der Flucht

Büro Schumacher: Mit Kurt Schumacher, Egon Franke, Alfred Nau und Fritz Heine im Juni 1946
In Zeiten der Flucht erfüllte der „vorwärts“ lebensrettende Funktion als geistiges Bindeglied. Welche Rolle der „vorwärts“ heute spielt, wird weiterhin diskutiert. „Die Mitglieder erwarten keinen Verkündigungs-Journalismus. Sie wollen nicht wissen, was sie zu denken haben. Sie wollen auch keine Hofberichterstattung“, schrieb Erhard Eppler 2001 und sprach von der „Quadratur des Kreises“: Kritisch soll er sein, aber loyal, Argumente liefern, aber keine Hofberichterstattung, Position beziehen, aber unabhängig bleiben. Der Medienwissenschaftler Michael Haller formulierte es so: „In der offenen Gesellschaft kommt es auf Offenheit an, auf die Transparenz der Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse.“

Die Quadratur des Kreises: kritisch aber loyal

2006 hieß Hubertus Heil als SPD-Generalsekretär und Herausgeber des „vorwärts“ Uwe-Karsten Heye als Chefredakteur willkommen und wünschte dem „vorwärts“ für die kommende Zeit „neue Impulse und eine Öffnung für gesellschaftliche Gruppen außerhalb der SPD“. Dies sei jedoch nur möglich, wenn der „vorwärts“ „mehr journalistische Freiräume und Gedankenfreiheit“ bekomme.

Im Herbst 2010 trat Uwe Knüpfer die Nachfolge von Uwe-Karsten Heye an. SPD-Generalsekretärin und vorwärts-Herausgeberin Andrea Nahles nannte die Berufung des ehemaligen WAZ-Chefredakteurs „ein Bekenntnis der Parteiführung zur zentralen Rolle des ‚vorwärts‘ für die Partei bei der Belebung der Debattenkultur innerhalb und außerhalb der SPD“.

Ihm folgte im Januar 2013 Karin Nink. Mit der neuen Chefredakteurin entwickelt sich der „vorwärts“ zu einem sozialdemokratischen Debattenportal: Die Webseite wurde modernisiert, für mobile Geräte optimiert und stärker auf die Bedürfnisse der SPD-Mitglieder zugeschnitten. Damit erfüllt der vorwärts auch online seinen Anspruch als wichtige Informationsquelle der deutschen Sozialdemokratie. Hier könnt ihr euch einfach, schnell und von unterwegs über sozialdemokratische Inhalte informieren und an aktuellen Diskussionen teilnehmen. Eure Meinung zu unseren Themen und Texten ist herzlich willkommen!

vorwärts digital

Der vorwärts-Verlag hat heute seinen Sitz im „Paul-Singer-Haus“ in der Stresemannstraße im Berliner Bezirk Kreuzberg.

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